Tagebuch

Eine Reise in das Herz Afrikas...

...und zu sich selbst.

 

Auf den Spuren Dian Fosseys durch Uganda und Ruanda zu den Berggorillas in den Virunga Bergen

 

 

Das Abenteuer beginnt.

Der letzte Abend in München. Ein seltsames Gefühl. Zehn Monate Vorbereitungszeit vergingen wie im Flug: Ich musste Fachliteratur besorgen, die Buchung organisieren und tausend Dinge erledigen.
Und dann geht es los - um 4.30 Uhr aus dem Münchner Glockenbachviertel, nach einem gemeinsamen Abendessen mit Freunden hinaus ins unbekannte Afrika.

Von Uganda, das Winston Churchill auch Perle Afrikas nannte, geht es weiter ins krisengebeutelte Ruanda. Dort leben in den Virunga mountains die letzten Berggorillas der Welt. In Karisoke befindet sich noch heute die Forschungsstation der berühmten Gorillaforscherin Dian Fossey.

Nachdem ich den Film "Gorillas im Nebel" gesehen hatte, wollte ich diese Tiere mit eigenen Augen sehen, sie fotografisch festhalten und in ihrer Umgebung erleben. Die Reise zählt für mich zu einem der letzten, großen Abenteuer - das Wilde Afrika, der Aufstieg in den Regenwald und der Besuch einer Gorillafamilie.

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Tag 1

Ich stehe in Shipol (Amsterdam) am Terminal zum Check-In. Über 2/3 der Passagiere sind Afrikaner mit einer Haut so dunkel wie Ebenholz. Helfer vom Uganda *red cross* stehen vor mir in der Schlange. Unsere Blicke kreuzen sich und ich sehe Augen, die schon viel gesehen und ertragen mussten. Vor mir liegen 8,5 Stunden Flugzeit.

Stop Over in Kigali/Ruanda - es regnet. Mir fällt der Film "Hotel Ruanda" ein. Über den Lautsprecher eine Ankündigung "waiting time for the next bus: 40 minutes." So. Sorry...welcome in Africa!

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Tag 2

Nach meiner ersten Nacht in Uganda geht es weiter von Entebbe nach Masindi. Ich komme ins Gespräch mit Iwan, meinem Fahrer. Wir sprechen über das Schulsystem und er erzählt mir, dass eine reguläre Klasse 130 Kinder und mehr fassen kann.
Wir kommen an zahlreichen Guesthouses vorbei, an deren Türen Schildern mit dem Slogan "service with a smile" steht. Ich frage mich, ob das auch schon zu Zeiten Idi Amins dort zu lesen war?

Wir besuchen ein Rhino Sanctuary, ein riesiges, eingezäuntes Areal in dem sechs Nashörner wieder angesiedelt werden sollen. Ich verlasse das Allradfahrzeug, es geht in Gummistiefel durch das mannshohe Gras. Die Ranger, die zu unserer Sicherheit mitgekommen sind, verständigen sich über Funk mit den anderen im Gebiet. Und dann, 20 Meter von mir entfernt, steht eine Rhinozeros Familie. Das Kleine heißt Obama. Die beiden Eltern stammen aus den USA. Immer wieder werden wir angehalten auf den Abstand zu achten und den Tieren nicht zu nahe zu kommen. Wir sollten immer darauf achten, uns in der Nähe eines Baumes aufzuhalten, der uns im Falle eines Angriffs den nötigen Schutz bietet. So stand es zumindest in den SAFTY-INSTUCTIONS - einem Infoblatt, das ich am Anfang des Walks gelesen habe.

Die Annäherung ohne Auto an ein wildes Tier hier in Uganda ist schon ein Erlebnis mit besonderem Reiz. Ich habe noch nie einen so heftigen Regenschauer erlebt. Wir brechen den Walk ab und begeben uns zurück zu unserem Jeep.
Iwan erzählt uns, dass es in Kampala, Ugandas Hauptstadt, oft so heftig regnet, dass gut gekleidete Geschäftsleute von anderen über die Straße getragen werden. Sie wollen sich in den braunen Fluten ihre Kleidung nicht ruinieren.

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Tag 3

 Fahrt zu den Murchison Falls im gleichnamigen Nationalpark. Nachdem wir das Gate passiert haben, müssen wir die Fenster im Wagen schließen. Diesen Teil des Parks hat die Tse-Tse Fliege fest im Griff. Es ist gespenstisch ruhig, kein Vogelgezwitscher, kein anderer Tierlaut. Leichte Panikattacken stellen sich ein, als sich das Auto von einem Fliegenschwarm fast schwarz färbt.

Nachmittagsfahrt zu den Wasserfällen, ein grandioses Naturschauspiel, dann ein plötzlicher Regenschauer. Es ist, als ob jemand einen Eimer Wasser über uns auskippt. Verzweifelt versuche ich meine Kamera zu schützen, was mir im letzten Augenblick gelingt. Rote Wassermassen überall, der Weg zurück ist kaum mehr zu sehen. Nass bis auf die Unterhose fahren wir zurück zur Sambesi River Lodge. Das Fahrzeug rutscht immer wieder von dem schmalen Pfad, den man als Straße nur noch erahnen kann. Endlich sind wir in der Lodge angekommen - trockne Anziehsachen und warmer Tee am Kamin erwarten uns. Am Abend immer wieder Stromausfall - ich habe keine Chance die Akkus der Kameras aufzuladen.

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Tag 4

 5.30 Wake-Up Call
Fahrt mit der Fähre über den Albertnil zur ersten Pirsch auf der anderen Seite des Nationalparks. Giraffen, Löwen, Uganda Kobs in der grandiosen Weite Afrikas. Sundowner an Bord eines Schiffes vor den Wasserfällen. Heute regnet es nur kurz.

Tag 5

Unsere Tour führt uns weiter nach Fort Portal. Nach den starken Regenfällen der letzten Tage ist eine Brücke unpassierbar geworden. Dazu kommt auch noch eine Autopanne - der Guide muss eine Zündkerze wechseln. Alles in allem sind wir fast doppelt so lange unterwegs, als für diese Distanz üblich. Die Straßen sind hier selten geteert, meist bestehen sie aus festgefahrenem rotem Sand, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 40 km/h beschränkt.

Wir erreichen um acht Uhr abends die Kluges Guestfarm - ein Ort, der mich sehr an Darjeeling erinnert, eine Hillstation inmitten von Teefeldern. Herr Kluge, ein emigrierter Deutscher, erzählt bei einem sensationellen Abendessen von seinem Leben am Äqator in Afrika. Er berichtet vom Teehandel, den politischen Querelen und den unterschiedlichen Verhaltensweisen mancher Afrikaner, die auf jahrhundertealten Riten und Bräuche zurückzuführen sind. Heute gibt es endlich auch für meine Kamera Strom.

Tag 6

Schimpansen-Trekking im Kibale Nationalpark steht heute auf dem Programm. An dem Ort, wo Jane Godall ihre Primatenforschung lange Zeit betrieb.
Wie im Film Avatar betrete ich eine Welt, voll unzähliger, bunter Schmetterlinge.

Der Treck dauert fünf Stunden. Nach der Hälfte des Weges wechseln wir auf die andere Seite des Parks, da weit und breit keine Schimpansen zu sehen sind. Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, fallen sie mit lauten Schreien aus den Baumkronen. Springen von Ast zu Ast und auf den Boden. Sie laufen nur ein paar Meter entfernt in den dichten Regenwald - zu schnell für mich und meine Kamera. Aber ein Erlebnis, das ich nicht wieder vergessen werde. In der Lodge entspanne ich mich bei einem Jack Daniels Black Label am Feuer mit Eukalyptusholz.

 

 

 

Tag 7

Fahrt zum Qween Elisabeth Nationalpark. Während einer Bootstour sehe ich die seltenen Baumlöwen. Wir übernachten in der wunderschönen Kingfisherlodge mit einem atemberaubenden Blick in die Ferne. Ein kühles Nile Special Bier rundet den Tag ab.

 

 

 

Tag 8

Aufbruch zur Kyambura Schlucht. Ein enges, durch Vulkanaktivität entstandenes und dicht bewaldetes Tal, das von einiger Entfernung für das Auge kaum erkennbar ist. Es ist perfekt in die Savanne eingebettet. Der Weg zum Tal der Schlucht ist höllisch glatt. Endlich kann ich den Fluss, der träge vor sich hinfließt, erkennen. Ich höre Geräusche, wie aus der Urzeit-ein paar Meter entfernt brüllt eine Gruppe Hippos um die Wette - ich denke bei mir: Jurassic Parc lässt grüßen.

Auf dem Rückweg Spurensuche im Schlamm-mit der Gewissheit, hier bestimmt nicht alleine zu sein. Ich sehe mir das Magazin der Kalaschnikow unseres Rangers an - ob es wohl voll ist? Zurück in der Lodge ziehen dichte Nebelschwaden die Hänge hinauf, wie schwere Zuckerwatte liegen sie auf allem und verschlucken die Konturen. Es sind noch 2 Tage bis zum Trekking in den Virunga Mountains, der Heimat der Berggorillas.

 

 

 

Tag 9

Vor uns liegt eine lange Fahrt durch die Schweiz Ugandas. Bei strömenden Regen erreichen wir den Lake Bunyoni, wo sich beim Abendessen die Wolken teilen und ein phantastisches Panorama auf den See freigeben. Es gibt Catch oft he Day - frischen Fisch.

 

 

 

Tag 10

Heute steht ein ausgedehnter Village Walk an -wir besuchen ein Heim für Aidswaisen. Mit gedämpfter Stimmung geht es zurück zur Lodge.

 

 

 

Tag 11

Fahrt zur ruandischen Grenze. Der Weg führt uns über einen steilen Pass, immer wieder wird der Weg von Trucks versperrt. Am Scheitelpunkt angelangt, sehe ich sie, eingehüllt in dichtem Nebel: die Virunga Vulkane oder besser Birunga, wie es ursprünglich hieß, was so viel wie "Kegel auf dem Kopf" bedeutet. Unzählige Menschen drücken sich mit ihren übergroßen Passformularen, die verschiedenen, verwischte Stempel tragen, in den Eingang des Zollhauses.

Nach knapp einer Stunde ist auch mein Pass abgestempelt und wir passieren die Grenze im Auto - was eigentlich verboten ist - es regnet. Plötzlich hält ein Grenzbeamter, dessen Gesicht so dunkel ist, wie eine Nacht ohne Mond, sein Gewehr ins Fenster.
Iwan verhandelt, entschuldigt sich für den Fehler, wir sollen das Gepäck zur Kontrolle öffnen. Nach langer Diskussion lässt er den Schlagbaum nach oben und wir rollen langsam dem ruandischen Zollposten entgegen. Endlich ist es geschafft! 35 km zum Hotel "le Palm", meiner Basisstation zum Trekking zu den Berggorillas. Hier spricht man Französisch. Zum Abendessen wird Zwiebelsuppe und Entrecote serviert.

 

 

 

Tag 12

Ich bin wahnsinnig nervös. In Gedanken war ich die ganze Nacht bei dem, was der kommende Tag wohl bringen wird. Ich habe kaum geschlafen. Der Wecker geht um vier Uhr morgens. Fotoequipment, Regencape, Gamaschen - alles ist gepackt. Ich nehme ein kurzes Frühstück - nicht zu viel Tee - der Magen rebelliert ohnehin schon.

Iwan kommt um 5.30 Uhr und wir fahren zum Meeting Point des Virunga Nationalparks. Dort werden die Besucher jeden Morgen den Gorilla-Familien zugeordnet. Es gibt im Nationalpark acht habituierte Gorillagruppen, die einmal täglich für maximal eine Stunde besucht werden können. Begleitet werden die achtköpfigen Gruppen von Rangern, Trägern und Guides die den eingewachsenen Weg in den Dschungel notfalls mit der Machete frei machen. Es gibt Tee und eine Folkloregruppe führt einen Tanz auf. Das Los entscheidet und ich besuche die Gruppe "Bwenge", eine Gorillafamilie mit 19 Mitgliedern. Ein harter Aufstieg steht mir bevor.

Vom Head Quater des Parks in Kinji fahren wir nochmal eine gute halbe Stunde über halsbrecherische Straßen. Nach der turbulenten Fahrt, macht sich die Gruppe bereit für den Aufstieg zu Fuß. Die meisten Teilnehmer tragen dicke Handschuhe zum Schutz vor den Dornen, Funktionskleidung und einen Rucksack mit Wasser, Lebensmitteln und der Fotoausrüstung. Gamaschen sind besonders wichtig, sie schützen vor den roten Ameisen, die ziemlich lästig sind und ganz schön beißen können. Wir steigen auf zur schmalen Lavamauer des Nationalparks. Der Weg führt steil bergauf, vorbei an Kartoffelfeldern. Da ich ziemlich untrainiert bin schaffe ich es nur eineinhalb Stunden mein Gepäck selbst zu tragen. Völlig am Ende, bitte ich einen Träger meinen Rucksack zu nehmen. Es wird empfindlich kalt je höher wir kommen. Wir sind jetzt schätzungsweise auf einer Höhe von 2200m. Vollkommen nassgeschwitzt erreichen wir die Mauer. Die Felder der Bauern liegen tief unter mir. Wie bunte Playmobilfiguren wirken die Einheimischen von hier oben.

Jetzt gibt es eine Einweisung für den Umgang mit den Gorillas: sieben Meter Abstand halten, nicht sprechen, bei Erreichen der Familie die Rucksäcke zurücklassen, nicht über ein Tier beugen. Wir werden ausdrücklich darauf hingewiesen, uns nicht größer erscheinen zu lassen und bei einem Drohangriff des Silberrückens, also des Clan-Chefs, sollen wir uns unverzüglich setzen und nach unten sehen. Und auf keinen Fall dürfen wir ihm den Rücken zeigen. Wir steigen über die bröcklige Mauer, die als Begrenzungslinie zum Nationalpark gilt und betreten ein Land, wie aus einer vergangenen Zeit. Es riecht nach Eukalyptus, Minze und vielen anderen Kräutern. Ein Bambuswald zieht sich steil die Hänge hinauf. Die Gruppe muss zusammenbleiben da es etliche andere Wilttiere gibt. Ranger mit Gewehren sichern den Treck. So geht es weitere eineinhalb Stunden durch tiefen Morast, steile rutschige Hänge hinauf durch undurchsichtiges Gestrüpp. Es ist fast unerträglich anstrengend. Über Funk verständigen sich die Ranger mit Spähern, die vorausgegangen sind, um anhand der am Vortag übermittelten GPS Daten die Familie zu lokalisieren.

Im Dickicht dann plötzlich ein Funkspruch - Richtungsänderung nach links - nochmals ein sehr steiler Bergabschnitt. Ich rutsche mehrfach auf dem Hosenboden nach unten und mache mir ernsthaft Sorgen, ob ich die Wanderungen schaffen werde, ohne mich zu verletzen oder meine Kamera zu beschädigen. Am Scheitelpunkt des Steilhanges plötzlich ein Zeichen: wir sollen die Rucksäcke ablegen. Den Gedanken, dass sich darin alles Wichtige, wie beispielsweise mein Pass befindet, vergesse ich. Langsam geht es den Hang hinunter und aus dem grünen Dickicht höre ich Geräusche, die ich nicht einordnen kann. Es klingt wie zufriedenes Brummen mit Unterbrechungen die sich wie dumpfe Schläge auf einem Holzxylophon anhören. Und da sehe ich sie - ich bin der zweite in unserem Trupp und habe einen phantastischen Blick auf die Gorillagruppe.

Verteilt über den Hang sitzen sie am Boden, umgeben von sattem Grün. Die Gorillas sehen fast aus wie Bären. Die Weibchen streichen den Jungen fast menschlich über die kleinen Köpfe. Ich rutsche ein zweites Mal einige Meter den Hang hinunter und entdecke nur ein paar Meter entfernt den Silberrücken. Er dreht den Kopf - mir stockt der Atem. Was ich in seinen bernsteinfarbenen Augen dann sehe sind Güte und Intelligenz gepaart mit größter Wachsamkeit. Immer wieder wechselt die Gruppe Ihre Position -wir passen uns ihrem Rhythmus an. Plötzlich wie aus dem Nichts ziehen Nebelschwaden den Hang herauf und lassen mich eins werden mit den schwarzen Riesen, dem tropfnassen undurchdringlichen Grün und den fremdartigen Geräuschen. Das Zeitgefühl geht komplett verloren. Der Atemrhythmus passt sich den Wildtieren an und umgekehrt. Es fühlt sich phantastisch an. Es ist das Erstaunlichste und Eindringlichste was ich seit langem erlebt habe.

Die kalte Nässe reißt mich aus dem tranceartigen Zustand. Unsere Stunde muss vorüber sein. Und als ob sie es selber wüssten, zieht sich die Gorillagruppe langsam in den Dschungel zurück. Aus dem dichten Nebel hört man nur das Knacken der Äste. Benommen von dem Eindrücken geht es im strömenden Regen zurück. Der Abstieg ist mörderisch-eine einzige Rutschpartie. Ich muss höllisch aufpassen um nicht zu fallen. Das ganze dauert ca. drei Stunden. Am Ausgangspunkt wartet Iwan und ich lasse mich total erledigt auf den Autositz fallen. Ich verabschiede mich von meiner Gruppe, den Guides und den Trägern und sitze - nicht fähig auch nur einen kompletten Satz zu sprechen, wie hypnotisiert im Jeep.

Ein Erlebnis, das ich nur schwer in Worte fassen kann. Ich weiß jetzt schon, dass ich auf die neugierigen Fragen zu Hause keine Antwort finden werde. Das Gefühl werde ich in meinem ganzen Leben wohl nicht mehr vergessen und ich glaube, dass ich Dian Fossey's Leidenschaft ein großes Stück nähergekommen bin. Wie es sich wohl anfühlt, wenn man das Vertrauen einer wilden Gorillagruppe gewonnen hat und von ihnen nach einer langen Abwesenheit wiedererkannt wird. Es muss ein großartiges Gefühl sein, von ihnen akzeptiert zu werden.

Wir sind zurück im Hotel "le Palm", im Gepäck eine surreale Stimmung. Leicht verzerrt höre ich französische Lieder aus einem Lautsprecher. Ruandische Soldaten, die heute auch im Hotel übernachten werden, leisten uns Gesellschaft. Es brennt eine grelle Neonröhre an der Decke. Sie flimmert. Ohne die Kraft eine Dusche zu nehmen, gehe ich zurück ins Bett.

Mit dem Gedanken, ob ich wohl das zweite Trekking morgen durchstehen werde, schlafe ich unruhig ein. In Gedanken erlebe ich diesen unglaublichen Tag noch einmal. Ich habe keine Ahnung, wie die Fotos wohl geworden sind, die ich im dunkelgrünen, feuchten Dickicht geschossen habe.

 

 

 

Tag 13

Das Trekking heute ist perfekt. Die aus dem Kongo zugewanderte Gruppe Kwitonda ist etwas leichter zu erreichen. Nach dem morgendlichen Briefing geht es über Felder, die im Gegensatz zu gestern nur flach ansteigen, zum Einstieg in den Nationalpark. Es regnet nicht und der Boden ist auch viel trockner. Nach einem Walk von nur 1,5 Stunden erhalten wir von den Rangern das Zeichen, dass wir die Gruppe bald erreicht haben. Fast zeitgleich höre ich die Trommelschläge des Silberrückens durch das Dickicht.

Diesmal sind es drei männliche Gorillas mit ihrer Familie die zerstreut zwischen zwei Lichtungen im Gras liegen. Ab und an bricht ein Ast, die Jungen tollen in den angrenzenden Baumwipfeln. Als Nahrung benötigen die Gorillas pro Tag bis zu einhundert verschiedene Pflanzen und Kräuter, die hier im Üppigen Regenwald des Park National Des Volcans wachsen. Mit dem Wissen, dass Dian Fosseys Forschungsstation Karisoke nur einen Steinwurf entfernt ist, denke ich zurück an den Zeitpunkt, an dem ich diese Reise geplant habe. Ich bin überglücklich nun hier zu sein - mittendrin und nicht nur dabei.

Nyiramachabelli - die einsame Frau , die im Wald wohnt-so hatten sie die Leute damals genannt. Ohne ihr Engagement und die damit zwangsläufig verbundene Härte gegen Wilderer vorzugehen, wäre es heute wahrscheinlich nicht möglich die Gorillas überhaupt noch zu sehen. Die Kritik mancher Biologen und Tierschützer, der Besuch von Menschen würde die Gorillas beeinflussen, sie zu sehr an unsereins gewöhnen, verstehe ich nur teilweise. Denn das, was ich hier erleben durfte ist ein Tourismus der sehr ernsthaft und nachhaltig betrieben wird. Es ist wichtig ein Verständnis für die uns nicht nur genetisch sehr verwandte Spezies aufzubauen. Gleichzeitig kommt dringend benötigtes Geld in die Kassen des Nationalparks.

 

 

 

Tag 14

 Aufbruch und Abschied nehmen. Mit einem letzten Blick auf die Vulkankette passieren wir die Ruandische Grenze. Wir fahren weiter zum Lake Mbuto Nationalpark. Als letzte Station unserer Reise beziehen wir ein Tendet Camp. In wunderschönen Zelten, sie erinnern an "Jenseits von Afrika", erlebe ich den Ostafrikanischen Sternenhimmel, der sich wie eine weiche Decke über alles gelegt hat.

Der letzte Sonnenuntergang - blutrot färbt sich der See. Ich schließe die Augen, ein letztes Mal lausche ich den Geräuschen der Wildnis, die sich jetzt viel vertrauter anfühlen. Ich denke daran, wiederzukommen, in das Land aus einer anderen Zeit.

Als Reiselektüre empfehle ich das Buch von Gerald Hüther-WAS WIR SIND UND WAS WIR SEIN KÖNNTEN-ein neurobiologischer Mutmacher. Im Fischer Taschenbuchverlag erhältlich.

Die Fotografien wurden mit einer SONY CYBERSHOT Kamera aufgenommen.